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Beim „MIT-Ausblick 2018“ in der Universität Paderborn blicken Experten in die Zukunft:

Begrüßten das neue Jahr in der Universität Paderborn (v. l.): Ulrich Lange (Kreisvorsitzender MIT Paderborn), Kai Buhrke (Geschäftsführer Handelsverband Hochstift und Lippe), Prof. Dr. Birgit Riegraf (Vize-Präsidentin der Universität Paderborn), Peter Gödde (Hauptgeschäftsführer Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe), Philipp Bednarek (Geschäftsführer Intab Pro), Jürgen Behlke (Geschäftsführer IHK-Zweigstelle Paderborn-

Deutsche Wirtschaft bleibt auch in schwierigen politischen Zeiten stabil

Eine regierungslose Zeit sorgt immer für Verunsicherung. „Deutschland ist aber wirtschaftlich so stark aufgestellt, dass es die momentan schwierige Phase der Regierungsbildung nach der Bundestagswahl 2017 ohne Schaden überstehen wird“, so lautete die Kernbotschaft von Hubert Böddeker. Das Vorstandsmitglied der Sparkasse Paderborn-Detmold sprach beim traditionellen „Ausblick 2018“ Mittelstandsvereinigung der CDU im Kreisverband Paderborn (MIT) in der Universität Paderborn.

Der MIT-Kreisvorsitzende Ulrich Lange goss in seiner Begrüßung bei einem kritischen Blick auf das Ergebnis der Sondierungsgespräche von CDU/CSU und SPD aber auch ein wenig Wasser in den Wein: „Wollen wir auf dieser Basis und mit dem Abarbeiten von Spiegelstrichen wirklich unsere Zukunft gestalten? Dort weiterzumachen, wo man in lähmender Geschäftsführung aufgehört hat, bedeutet Stagnation und nicht Fortschritt. So kommen wir nicht vom Fleck“, fand Lange deutliche Worte und fragte, welche Vision die neue Regierung in der Legislaturperiode eigentlich zusammen halten solle. „Auch Jamaika war sicherlich keine Wunschkonstellation für uns Mittelständler. Aber, die Verbindung von sozialer Marktwirtschaft, Bildung, Innerer Sicherheit und Ökologie wäre eine innovative Vision gewesen“, so Lange. Auch eine Minderheitsregierung wäre aus Sicht des MIT-Kreisvorsitzenden die bessere Alternative. „Sie würde sicherlich nicht alle Probleme lösen. Politik wäre aber wieder transparenter, spannender und innovativer, denn ein Regieren ohne Mehrheit erfordert, dass wir alle bereit sind, Politik neu zu denken und mehr politische Debatten zuzulassen.“ Von den CDU-Sondierern sei zwar das Schlimmste verhindert worden, und es gäbe auch einige positive Signale wie beim Breitbandausbau und beim Fachkräftezuwanderungsgesetz, besonders bei der Europa- und der Rentenpolitik würden die Weichen aber völlig falsch gestellt. „Es ist an der Zeit etwas Neues zu wagen“, forderte Lange einen politischen Kurwechsel. 

Als Gastgeberin begrüßte die Vizepräsidentin der Universität Paderborn, Prof. Dr. Birgit Riegraf, die Mittelständler. Sie warb dabei insbesondere für einen engen Kontakt der Hochschule mit der Wirtschaft und weitere gemeinsame Projekte. Mit dem Technologie-und Existenzgründungscenter der Universität Paderborn konnten in den letzten Jahren 200 Unternehmen gegründet und 8500 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Dass die Bewertung der politischen Situation immer auch vom Blickwinkel abhängt, zeigte im Anschluss Hubert Böddeker in seinem Vortrag „Hat die Politik überhaupt noch einen Einfluss auf die Wirtschaft?“. Politisch seien die Zeiten sicher nicht angenehm, für die Wirtschaft sei das Geschehen aber noch nicht dramatisch. Trotzdem warnte er davor, die Regierungsfindung zu lange hinauszuziehen. „Die Finanzmärkte sind schon nach der Bundestagswahl schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen und die deutsche Volkswirtschaft ist gut gerüstet. Selbst die europäische Wirtschaft steht auf einer breiten Basis und entwickelt sich weiter positiv. Trotzdem wächst mit jedem Tag der Ungewissheit die Gefahr, dass die Verunsicherung in der heimischen Wirtschaft und bei ausländischen Partnern zunimmt. Das muss nicht sein“, betonte Böddeker. Ausgehend von den wirtschaftlichen Prognosezahlen, werde sich auch das Jahr 2018 nahtlos in den globalen Aufschwung eingliedern. „Der Aufschwung besteht mittlerweile seit neun Jahren. Zeichen einer Ermüdung gibt es noch nicht. Die sind wohl erst nach 2019 zu erwarten“, schaute Böddeker in die Zukunft. Die Geldpolitik befinde sich auf einem eher langsamen Normalisierungskurs und auch die Zinsen würden noch sehr lange auf einem niedrigen Niveau bleiben, fasste das Vorstandsmitglied der Sparkasse Paderborn-Detmold schließlich zusammen.

Die fast 200 Gäste der gut besuchten MIT-Veranstaltung konnten sich neben dem wirtschaftlichen Ausblick auch davon überzeugen, wie der Mittelstand das Thema Digitalisierung selbst in die Hand nimmt. Philipp Bednarek, Geschäftsführer des Startups Intab Pro, und Benedikt Goeken, Geschäftsführer der Goeken Backen GmbH präsentierten mit einem Projekt aus der „garage 33“ der Universität eindrucksvoll den Einzug des digitalen Wandels in das Bäckerhandwerk. Und Karl-Heinz Rawert vom  Vorstand der VerbundVolksbank OWL eG. informierte über die Möglichkeiten entsprechender Finanzierungen aus der Perspektive einer Regionalbank.

Die Perspektiven der Wirtschaft im Kreis Paderborn diskutierten Jürgen Behlke (Geschäftsführer der IHK-Zweigstelle Paderborn + Höxter), Kai Buhrke (Geschäftsführer des Handelsverbands Hochstift und Lippe) sowie Peter Gödde (Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe). Für die IHK richtete Jürgen Behlke den Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel: „Eine solide Ausbildung ist genauso viel Wert wie ein Studium - das müssen wir in die Köpfe der Eltern reinbekommen.“ Kai Buhrke bescheinigte, dass der heimische Handel mit Blick auf den zunehmenden Online-Handel seine Hausaufgaben mit dem Umbau der Königsplätze und der Einstellung eines City-Managers forciert in Angriff genommen habe. Und Peter Gödde konnte ebenfalls nur Gutes berichten: „Überall Daumen hoch, teilweise sogar mit Allzeithochs.“ Als „Wachstumsbremse“ bezeichnete aber auch Gödde den Fachkräftemangel.

„Wenn uns 2017 eines gelehrt hat, dann, dass man wirklich alles für denkbar halten muss. Es scheint jetzt schon klar, dass auch das Jahr 2018 unsere Nerven wieder strapazieren wird“, fasste es Ulrich Lange schließlich mit einem Augenzwinkern zusammen.


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